Arbeitssicherheit in der beruflichen Grundbildung angekommen

Jeder verantwortungsvolle Lehrbetrieb ist sich seinen Pflichten auf dem Gebiet der „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz“ bewusst. Die Hauptverantwortung zur Einhaltung der Massnahmen zur Arbeitssicherheit liegt beim Lehrbetrieb. Doch auch Lernende unterliegen der Ausführungspflicht zur Einhaltung der vorgegebenen Massnahmen von Seite des Lehrbetriebs. Um die Relevanz dieses Themas auch in der beruflichen Grundbildung zu stärken und zu etablieren, geht der Verband EIT.Zürich mit dem Elektro-Ausbildungszentrum EBZ in Effretikon neue Wege.

Neu werden die Lernenden  der Lehrberufe Elektroinstallateur/in EFZ und Montage-Elektriker/in EFZ mit zusätzlichen obligatorischen üK-Kurstagen geschult. Das heisst, dass die üK-Angebote ab sofort um einen üK-Tag wie folgt ergänzt werden:

  1. Lehrjahr: PSAgA (persönliche Absturzsicherung)
  2. Lehrjahr: AuS1 (Arbeiten unter Spannung)
  3. Lehrjahr: Hubarbeitsbühnen mit IPAF-Ausweis

Der zusätzliche üK-Tag wird organisatorisch an den bestehenden üK-Unterricht im entsprechenden Lehrjahr angehängt. Dieser wegweisende Entscheid von EIT.Zürich stellt sicher, dass die erwähnten Schulungsmassnahmen zumindest im Kanton Zürich automatisch sichergestellt sind. Das ist auch dringend erforderlich. Denn gemäss internen Studien eines Grossbetriebs der Branche, waren z.B. rund 30 Prozent der Berufsunfälle im Jahr 2019 auf das Nichttragen einer Schutzbrille zurückzuführen. Lernende sind immer speziell gefährdet, da sie an das Tragen einer Schutzbrille als Teil der persönlichen Schutzausrüstung oft noch nicht gewohnt sind. Alle fünf Minuten registriert die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA zudem einen arbeitsbedingten Unfall mit Augenverletzungen (Quelle: SUVA).

Doch auch im Elektrobereich erleiden jährlich 430 Elektrofachleute einen Elektrounfall. Dabei sein Leben zu verlieren, ist 50-mal höher als bei anderen Unfällen. Das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI führt deshalb eine entsprechende Unfallstatistik , die nachdenklich stimmt. Denn von allen vom ESTI untersuchten Unfällen, war an jedem vierten Unfall ein Lernender beteiligt.  Bei den schweren und den tödlichen Elektrounfällen im Berufsumfeld, hat wiederum die Kampagne «Sichere Elektrizität» der Suva mit den 5+5 lebenswichtigen Regeln als zentrales Element, einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung geleistet. Lobenswert, dass erstmals ein kantonaler Verband wie EIT.Zürich nun  „Nägel mit Köpfen“ macht und damit auch ein klares Signal an alle Branchen aussendet. Denn Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz betrifft alle Lernenden in der Schweiz.

Wann ziehen die anderen Kantone mit?

Dem Thema „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz“ wird bereits in den gesamtschweizerisch geltenden Bildungsplänen der Elektroinstallateuren und Montage-Elektrikern (Anhänge 2) Rechnung getragen. Allerdings gestaltete sich bisher das integrierte Controlling der zu vermittelnden Handlungskompetenzen als schwierig. Die Pionierleistung von EIT.Zürich zeigt deutlich auf, welche Fortschritte in der beruflichen Grundbildung mit weitsichtigen Entscheidungsträgern möglich sind. Ein weiterer Vorteil dieses Konzepts zeigt sich darin, dass für die Lehrbetriebe kein zusätzlicher Koordinationsaufwand für die Belegung dieser Kurse entsteht.

Die „IG Berufsbildung IGBB – Schweiz“ befürwortet eine schweizweite  Ausdehnung dieser Ausbildungsmassnahmen in allen Branchen. Die Unfallzahlen bei den Lernenden müssen zwingend gesenkt werden. Das Verständnis und das zukünftige Handeln aller Verantwortlichen steht nun stark im Fokus. Nichts ist wichtiger, als dass Mitarbeiter und Lernende nach Arbeitsschluss wohlbehalten und gesund zu ihren Familien zurückkehren können.

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